"SPRICHT-SCHLECHT"

Die Deutschen Siedler sprachen ein dialekt/schlechtes Englisch. Deshalb wurden sie von den Indianern in der Zeichensprache (Sprechen + schlecht) als "Spricht-Schlecht" bezeichnet. Von den Dakota wurden die Deutschen >Iya-sica< genannt, >harte Sprecher<, weil die deutsche Sprache für sie schwer zu erlernen und zu sprechen war.

 

Vorallem sind es die Deutschen, die sich zu den Indianern und  ihren Kulturen hingezogen fühlen und fühlten.

Hier sind Menschen, die Deutsche und Indianer miteinander verbinden. 

Warum verbringen 40.000 Deutsche ihre Wochenenden als Indianer verkleidet?

Artikel von Noemi Lopinto, aus Alberta/ UTNE-READER
Mai-Juni 2009

 

John Blackbird wuchs in der kanadischen Prärie, bei einer weißen Familie auf. Das Erste was er lernte war, dass seine Leute schlecht waren. Von seinen Freunden und Klassenkameraden hörte er nur, dass die Natives faul und arbeitsscheu sind. Selbst beim Indianer und Cowboy spielen wollte keiner Indianer sein, jeder wollte nur den tapferen Cowboy spielen. Heute ist Blackbird in Deutschland ein bekannter Filmemacher.

Blackbird´s Ruhm verdankt er einem bemerkenswerten, kulturellen Phänomen: Rund 40.000 deutsche "Hobbyisten" verbringen ihre Wochenenden damit, so zu leben wie die nordamerikanischen Prärieindianer vor über zwei Jahrhunderten. Sie errichten Tipi Zeltlager, kleiden sich in Tierfelle, bereiten ihr Essen mit selbstgemachten Knochen-Messer zu und verzichten auf alle modernen Werkzeuge. Sie geben sich selbst  indianisch klingende Namen, wie "White Wolf". Viele fühlen eine intensive, spirituelle Verbindung zu den Mythen und Spiritualität der Natives. Reden darüber, dass sie sich wie ein Native fühlen.

Ihre Faszination für die Kultur der American Natives ist zum großen Teil auf Karl May zurückzuführen. Karl May ist der meistverkaufte deutsche Autor aller Zeiten. Im Jahr 1892 veröffentlichte er, dass Erste von vielen Büchern über einen fiktiven Apachen Krieger namens Winnetou und seinem deutschen Blutsbruder Old Shatterhand. Die beiden Männer zogen durch die nordamerikanische Prärie. Mit ihren fast übermenschlichen Kräften kämpften sie gegen den Landhunger der Regierung, gewalttätige Pioniere und Banditen. (Fans der Geschichten waren Albert Einstein und Adolf Hitler). In den 1960 Jahren wurde das Duo in fünf populären Filmen verewigt und in ganz Europa entstanden Hobbyisten-Gruppen. Heute gibt es mehr als 400 Clubs allein in Deutschland. Einige Natives sehen darin ein Problem.

 

Als David Redbird Baker (Ojibwe) das erste Mal nach Deutschland reiste, fand er es erst niedlich, wenn Erwachsene Indianer und Cowboys spielten. Aber, als die Hobbyisten begannen heiligen Zeremonien, wie Geister- und Sonnentänze zu inszenieren, war er gekränkt. "Sie nehmen die sozialen und religiösen Zeremonien und verändern sie bis zur Unkenntlichkeit", sagte Baker, "woher glauben, diese Hobbyisten, das Recht zu haben mit unseren heiligen Rituale zu improvisieren, um damit ein Gefühl der Mitverantwortung über unsere Kultur zu erzeugen. Sie haben Tanzveranstaltungen, wo jeder in moderner Kleidung von der Teilnahme ausgeschlossen ist - sogar Natives Besucher. Sie kaufen heilige Gegenstände, wie Adlerfedern und fügen diese ihren Insignien hinzu. Sie haben sogar Frauen erlaubt während ihrer "Mondzeit" zu tanzen." (Nach Baker ist dies gleichbedeutend mit einer Todsünde.)

 

Carmen Kwasny, Vorsitzende der Native American Association of Germany, ist davon überzeugt, dass die deutsche Faszination von den "Indianern" durch einen  Mangel an einer Wechselbeziehung mit der natürlichen Umwelt, in ihren überfüllten Industriestädten, herrührt. Kwasny wuchs in Bayern in einer Gegend von Türmen und Fabriken auf. Dort empfand sie eine große Sehnsucht nach einer engen Verbindung zur Natur. "Die Menschen in Deutschland suchen nach einer Verbundenheit, einer neuen Religion", sagt sie. "Der Konflikt besteht darin, dass sie herausfinden müssen, dass Native Americans auch nur  Menschen sind."

 

"Sie lesen den alten Karl May mit verklärten Worten. Wenn die Deutschen die Bedingungen unter denen viele Ureinwohner heute leben kennen würden, hätten sie kein Interesse daran sie nachzuahmen." sagt Marta Carlson, Mitglied des kalifornischen Yurok Stammes und ein Native Lehrer an der Universität von Massachusetts. "Niemand will unter der Armutsgrenze in einem nordamerikanischem Reservat leben", sagt sie. "Es fehlt die Romantik".

 

John Blackbird fühlt sich oft frustriert in seiner Rolle als "Woolworth-Indianer",  wenn er nach Kanada, nach Hause kommt und im Flughafen-Geschenkladen bedruckte Sweatshirts und Tassen mit den Gesichtern der verfolgten und gejagten Häuptlinge sieht. Wenn er einen Job oder eine Wohnung sucht und er mit einer Wand aus Rassismus konfrontiert wird. Seine Töchter eine schlechtere Gesundheitsversorgung haben und sie eine höhere Arbeitslosenquote haben als Erwachsene.

So bleibt er in Deutschland und vermarktet  seinen Dokumentarfilm mit dem Titel "Powwow" von 2005. Er zeigt vielen Menschen darin, dass breite Spektrum traditioneller Indianertänze. Blackbird zeigt den Deutschen, dass Native-Tänze eine sich immer weiterentwickelnde Kunstform ist und nicht Rituale vergangener Menschen.

 

Einmal, beschrieb er seinen Dokumentarfilm in einer E-Mail an eine Hobbyisten-Gruppe, als eine Doku über das "Leben der Indianer". Prompt bekam er eine Antwort, dass der richtige Begriff  "First Nation" und nicht "Indianer" sei und er keine rassistischen Begriffe verwenden soll.

 

"Ich bin ein Indianer!" Schoss Blackbird zurück. "Meine Freunde sind Indianer und meine Familie sind Indianer.

Wir haben uns immer Indianer genannt. Ich habe eine "Status-Karte" von der kanadischen Regierung, die mir sagt: Ich bin ein Indianer. Ihr habt kein Recht, mir zu sagen, was ich bin!"

Frederick Weygold

(13. Juni, 1870 - 13. August 1941)

Maler, Fotograf und Ethnograf,

Er erforschte das Leben und die Kulturen der nordamerikanischen Indianer, hauptsächlich der Sioux-Stämme.

Die Eltern von Frederick Weygold waren deutsche Einwanderer. Ursprünglich lautete sein voller deutscher Name: Friedrich Heinrich Phillip Adolph Weygold.

Er besuchte die Reservate der Sioux-Indianer und lebte eine Zeitlang unter

ihnen, um ihre Sprache zu erlernen und sich mit ihrem Denken und Fühlen vertraut zu machen. Damit begann etwas, das ihn schließlich zu einem großen Kenner dieser Menschen werden ließ.

Die meiste Zeit verbrachte er bei den Lakota, Oglala und Osage. Aber er besuchte auch die Cheyenne, Kiowa und Blackfeet. Er beobachtete das indianische Leben, schrieb, fotografierte, zeichnete und sprach mit den Menschen. So umfassend hatte sich vor ihm noch niemand mit den Indianern beschäftigt. Er lernte noch viele Menschen kennen, die die alten Zeiten erlebt hatten, wie der berühmte Red Cloud, den Weygold gemalt und fotografiert hat. Red Cloud und viele andere ältere Männer und Frauen werden ihm bestimmt noch so manches erzählt haben.

Buch:

Happy Hunting Grounds: Stanley Vestal, Frederick Weygold

Buch:

Ich, Dakota: Pine Ridge Reservation 1909. Photographien von Frederick Weygold

Herman "Montechema" Lehmann

 

Herman Lehmann
Geboren Herman Lehmann
5. Juni 1859 Loyal Valley, Texas
Gestorben 2. Februar 1932 (Alter 72) Mason County, Texas
Ruhestätte

Loyal Tal Friedhof

 

Abstammung   Deutsch
Citizenship Amerikanisch
Bekannt für Gefangen von den Apachen.
Aufgenommen von den Comanchen.
Adoptivsohn von Quanah Parker.
Ehegatte (n) 1885 NE Burke (div.) 
1896 Fannie Licht
Kinder Fünf von Fannie Licht
Eltern Moritz Lehmann 
Augusta Johanna Adams Lehmann

Herman Lehmann

Am 16.Mai 1870 entführte ein Stoßtrupp, von acht bis zehn Apachen (vermutlich Lipans), den fast elf-jährigen Herman Lehmann und seinen acht-jährigen Bruder Willie. Vier Tage später, stießen die Apachen auf eine Patrouille von zehn African-American Kavalleristen, geführt von Sgt. Emanuel Stance. Sie wurden von Fort McKavett geschickt, die beiden Jungen zurückzuholen. In dem kurzen Kampf mit der Apachen-Bande gelang es Willie Lehmann zu entkommen, aber die Apachen flohen mit dem jungen Herman. Sergeant Stance wurde der erste Schwarze, der für seine Tapferkeit auf dieser Mission die "Medal of Honor" erhielt. 

Die Apachen erzählten Lehmann, dass sie seine gesamte Familie getötet hätten. Dies war aber gelogen. Die Apachen nahm Herman Lehmann mit in ihr Dorf im östlichen New Mexico. Er wurde von einem Mann namens Carnoviste und seiner Frau aufgenommen.

Die Apachen nannten Lehmann "En Da" (weisser Junge). Er wurde in ihre Kultur assimiliert. Als junger Krieger nahm er an bedeutenden und zahlreichen Schlachten/Überfällen teil. Am 24. August 1875, in der Nähe von Fort Concho, etwa 65 Meilen westlich von San Angelo, Texas, kam es zu einem Gefecht mit den Texas Rangers. Ranger James Gillett hätte ihn dabei fast erschossen, als er unter einem totem Pferd eingeklemmt am Boden lag. Ein Ranger erkannte, dass er ein weißer "captive" war und konnte Gillett gerade noch daran hindern Herman zu erschießen. Als die Ranger später zu dem eingeklemmten Herman zurückkehrten, war er geflüchtet. Ohne Waffen, Essen, Wasser und Pferd schleppte sich Hermann 300 Meilen durch die Wildnis, zurück zu seinem Apachendorf. Carnoviste ernannte den 16-jährigen Hermann daraufhin zum Chief. (Der Kampf aus sicht der Rangers ist nachzulesen in J.B.Giletts Buch "Six Years with the Texas Rangers"). 40ig Jahre nach diesem Kampf trafen sich Gilett und Lehmann und schlossen Frieden. Die Texas Rangers waren die ständigen Feinde der Comanchen.

Im Frühjahr 1876 tötete Herman Lehmann einen Apache-Medizinmann, um die Tötung von Carnoviste, bei einem Streit um eine Ladung Whisky, zu rächen. Aus Angst vor Rache, floh er vor den Apachen und verbrachte ein Jahr allein in der Wildnis. Einsam geworden, wollte er versuchen sich Comanchen anzuschließen. Er beobachtete einen ganzen Tag lang eine Comanchen-Bande. Nach Einbruch der Dunkelheit trat er mutig in ihr Lager. Die Comanchen erschracken, denn sie hielten ihn erst für einen Geist und wollten ihn dann töten. Hermann hatte aber Glück, ein junger Comanchen-Krieger erkannte ihn und sprach die "Zunge der  Apachen". Lehmann erklärte seine Situation. Nach Überprüfung seiner Geschichte, bat man ihn zu bleiben. Er schloss sich den Comanchen an und er bekam einen neuen Namen: Montechema. 

Später wurde er von Comanche Chief Quanah Parker adoptiert. 

Herman Lehmann lebte mit Quanah Parkers Familie im Kiowa-Comanche Reservat zusammen. Mehrere Menschen nahmen Notiz von dem weißen Jungen unter den Indianern. 

Seine Mutter, die die Suche nach ihrem Sohn nie aufgegeben hatte, fragte Colonel Mackenzie, der kommandierende Offizier von Fort Sill, ob es irgendwelche blauäugigen Jungen im Reservat gab. Im April 1878 befahl Oberstleutnant John W. Davidson, dass Montechema unter Bewachung zu seiner Familie nach Texas geschickt werden soll. Fünf Soldaten und ein Fahrer eskortiert den wiederspänstiegen Lehmann, auf einem von Maultieren gezogenen Krankenwagen, nach Loyal Valley Mason County, Texas. Bei seiner Ankunft, erkannten weder er noch seine Mutter einander. Lehmann hatte ja geglaubt, dass seine Familie tot sei. Es war seine Schwester, die eine Narbe auf seinem Arm erkannte. Als Kinder hatte sie die Narbe verursacht, als sie mit einer Axt spielten. Als dann mehrmals der Name "Herman" gerufen wurde, kam ihm der Klang vertraut vor und er erkannte, dass er seinen "weißen" Namen hörte. Anfangs war er mürrisch und wollte nichts mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zu tun haben. "Ich war ein Indianer, und ich mochte sie nicht, weil sie Bleichgesichter waren." Er lehnte angebotene Speisen ab und er war es nicht gewohnt in einem Bett zu schlafen.

Im Laufe seines Lebens trieb Herman Lehmann zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturen hin und her. Lehmann war eine sehr populäre Figur im südwestliche Oklahoma und Texas Hill Country. Er erschien auf Jahrmärkten und Rodeos um das Publikum zu begeistern.

Seine Autobiografie Neun Jahre unter den Indianern (1927, herausgegeben von J. Marvin Hunter) ist eine der schönsten Erzählungen von der Gefangenschaft bei Indianern, in der amerikanischen Literatur.

 

Deutsche Ausgabe: Neun Jahre unter den Indianern, Louis E. Brister, Wagner Verlag, Gelnhausen

Earl Waggoner (1916-!990)

 

Seltene Navjo Fotos

 

Earl Waggoner war ein Nachfahre süddeutscher

Auswanderer. Schon in seiner Jugenzeit interessierte er sich für die Navajos. Vor einigen Jahren fand man in einem Keller eine Metallbox mit Aufnahmen der Navjos aus dem Monument Valley. Fotografiert hatt Earl Waggoner sie in den 1950er Jahren. Diese einmaligen und historisch bedeutsamen Navajo Fotos zeigen das einfache Leben der Navajos.

Mehr Infos und die Fotos bei:

>Earl Waggoner Photography earlwaggoner.com

>Earl Waggoner Photography artsales.com

Edward Two-Two

Edward Two-Two war ein Lakota-Sioux (1851 – 1914)

Sein Lakota-Name bedeutete eigentlich: „Einer von zwei".

Er lebte im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota und diente dort als Reservatspolizist.

1910 wurde er für Hagenbeck´s Völkershow nach Hamburg geholt. In traditioneller Kleidung und mit Federhauben mussten die Indianer sich selbst spielen. Dann kehrte er zurück in die USA.

1913/1914 kehrte er, auf eigenen Wunsch, mit seiner Familie nach Europa zurück. Er trat in der "Wild West Show" des Zirkus Sarrasani in Dresden auf. Sarrasani ernannte ihn zum „Sioux-Häuptling“. Wegen der Freundlichkeit und Anerkennung, mit der man ihm und seiner Familie in Deutschland begenete, hatte er den Wunsch in Dresden begraben zu werden.

1914 verstarb er während einer Tournee in Essen. Beigesetzt wurde er auf dem "Neuen Katholischen Friedhof" in Dresden.

Der Film: „Begrabt mein Herz in Dresden“ erzählt die Lebensgeschichte von Edward Two-Two und das Leben seiner Nachfahren im Pine-Ridge-Reservat.

 

BEGRABT MEIN HERZ IN DRESDEN

Regie: Bettina Renner, 2012, 90 Minuten
Erzählt von: Anna Thalbach und Lars Rudolph
Produktion: ma.ja.de Filmproduktion
Produzent: Heino Deckert

Carl "Eule" Schurz

„Our country, right or wrong. When right, to be kept right; when wrong, to be put right.“ 

 

Geboren wurde Carl Schurz am 2. März 1829 in Liblar bei Köln.

Nach der `48 Revolution stand Schurz auf der "Schwarzen Liste" in Deutschland.

Dezember 1850 ging Schurz nach Paris, wurde aber als gefährlicher Ausländer von der franz. Polizei ausgewiesen.

Am 6. Juli 1852 heiratete er Margarethe Meyer, eine deutsche Jüdin aus Hamburg.

Mit ihr machte er sich noch im selben Jahr auf nach Amerika.

 

1877 wurde Carl Schurz Innenminister der Vereinigten Staaten.

Schurz lehnte die »Manifest Destiny« ab (Nach der die Weißen von der Vorsehung berufen seien, allein über Amerika zu herrschen).

Er setzte durch, daß nur noch die Eignung für einen Beamtenposten ausschlaggebend sein sollte. (»merit promotion system«).

Schurz kämpfte gegen die verantwortungslose Ausbeutung der Rohstoffquellen. Vor allem versuchte er die rücksichtslose Abholzung der Wälder zu verhindern.

Er stellte sich jeglicher Korruption und Ausbeutung entgegen. Kämpfte für die Freiheit der Sklaven und setzte sich für die geschundenen Indianer ein.

 

Er reiste sechs Wochen durchs Indianerterritorium um sich selbst ein Bild zu machen. 1878 setzte er eine Dreierkommission zur Klärung der Misstände ein. Die Kommission bescheinigte dem Indianderbüro: Absolute Unfähigkeit, Habgier und Unehrenhaftigkeit. Der Indianerbeauftragte Smith und die meisten Beamten wurden von Schurz entlassen .

 

Zu seiner Zeit galt Schurz merkwürdigerweise im Osten als Indianerfeind und im Westen als Indianerfreund.

 

General Sherman wollte, daß das Indianbüro dem Kriegsministerium unterstellt wurde. Dies konnte Schurz verhindern. Sherman´s Ausrottungspolitik setzte sich aber zu oft gegen die Ansicht von Schurz durch: Recht und Freiheit gelten für alle Amerikaner und nicht nur für die Weißen.

 

Schurz erreichte 1878, daß die nach Florida deportierten Kiowa in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Die blutige Unterwerfung der Bannock und ein Jahr zuvor die Verfolgung der Nez Percé und die Deportation nach Oklahoma konnte er nicht verhindern.

Chief Joseph traf 1878 mit Schurz zusammen, der ihm Hilfe zusagte. 1881 durften ein paar Nez Percé nach Idaho zurückkehren.

Joseph und sein Volk wurden in den Staat Washington gebracht. Eine Rückkehr ins Land ihrer Väter war unmöglich geworden, längst lebten dort Weiße.

 

Schurz bekämpfte die korrupten Indian Rings im Dakota-Territorium. Es zeigte sich aber bald, daß er einfach machtlos war. Schurz sandte den Inspector General W. H. Hammond nach Dakota. Dieser vergaß aber seine eigentliche Aufgabe für Gerechtigkeit zu sorgen.

Die Regierungsinspektoren, die Mängel nach Washington meldeten, sahen sich harten Attacken seitens der Presse und der Bevölkerung ausgesetzt. Die Reformen, die Schurz gegen korrupte Agenten in Gang setzte, blieben so meistens wirkungslos. Zu verflochten waren die Verbindungen zwischen Territorialbehörden, wirtschaftlicher Erschließung des Landes und Ausbeutung der Indianer.

 

1879 besetzten weiße Siedler, Land von den Cherokee und anderen Stämmen. Schurz veranlaßte die Entsendung von Bundestruppen an die Grenze von Oklahoma. Am 26. Mai 1879 proklamierte er die Unverletzlichkeit des Indianerterritoriums und garantierte sie im Namen der Regierung. Zehn Jahre später wurde von der aktuellen Regierung diese Zusage gebrochen und Oklahoma für die Besiedlung freigegeben.

 

Abgeordnete der Dakota waren schon im Herbst 1877 in Washington mit Schurz zusammengetroffen. Er erschien ihnen durch sein Aussehen ebenso merkwürdig, wie den Cheyenne. Die Cheyenne nannten ihn  höflich Mah-ha Ich-hon (Große Augen), die Dakota bezeichneten ihn nur als »Eule«.

 

Schurz kämpfte gegen die Ansichten der Generäle Sherman und Sheridan an, die Sioux seien unverbesserliche Wilde und das beste Mittel zu ihrer Befriedung sei es, sie unter strenger Kontrolle in den Reservaten zu halten, bis sie ausgestorben sind. Schurz gelang es die Armeeführung zum Nachgeben zu bewegen: Er rettete damit die Dakota vor dem Untergang. Schurz hatte der Armeeführung das Versprechen geben müssen, die Dakota zu friedlichen Ackerbauern und Selbstversorgern zu machen.

 

Agent  Captain Theodor Schwan, gebürtiger Deutscher, sah sich selbst als Freund der Dakota. Tatsächlich behandelte er die Indianer wie Sklaven, zwang sie mit preußischer Disziplin zur Feldarbeit.

Schwan und Andere machten die guten Absichten von Schurz wieder zunichte. Ein Großteil der Indianer floh in benachbarte Reservate. Als Schurz die Agenturen besuchte stellte er sich auf die Seite der Indianer, gegen die Agenten. Mit dem Häuptling der Brulé-Dakota, Spotted Tail, verband Schurz eine Freundschaft.

 

Als in Nebraska einige Brulé einen Weißen ermordeten und Pferde stahlen, sandte Spotted Tail an Schurz einen Scheck über 332,80 Dollar, mit der Bitte, den Indianern einen Rechtsbeistand zu beschaffen, was Schurz auch prompt tat.

 

Der Artz Major Valentine McGillicuddy, der Crazy Horse bis zu dessen Tod gepflegt hatte, berichtete Schurz von den großen Leiden der Cheyenne. Diese waren nach dem Sieg über Custer in die Berge geflohen, aber von Miles und Crook gestellt worden. Dann hatte man sie nach Oklahoma deportiert, wo sie sich wegen des Klimas nicht einleben konnten. Daraufhin flohen sie nach Norden. Die Regierungspolitik zielte damals darauf ab, unter allen Umständen Frieden zwischen Weiß und Rot zu erhalten. Deshalb war die indianische Bewegungsfreiheit gesetzlich beschränkt. Nur spärlich gelangten Berichte über die Situation zu Schurz. Im November 1878 erfuhr er dann, daß sich die Cheyenne in Fort Robinson ergeben hatten und lieber sterben wollten, als wieder nach Oklahoma zugehen. Nach langem Hin und Her im Kongreß, gelang es Schurz durchzusetzen, daß die Cheyenne in ihrer alten Heimat bleiben durften.

Obwohl Schurz die Meinung vertrat, Offiziere taugten nicht als Agenten, stellte er McGillicuddy, dem alten Red Cloud als Agenten zur Seite. Es wurden für Red Cloud und McGillicuddy schwierige Jahre, den Krieg auf den die Weißen hofften zu verhindern.

 

Zum Krieg kam es dagegen bei den Ute.

Die Ute waren ein gefürchteter Stamm. Verträge wurden geschlossen und wieder gebrochen, Reservate eingerichtet und Land geraubt.

Ouray, war ein von der Regierung ernannter Oberhäuptling, der in Charles Adams einen Feund fand.

Adams hieß eigentlich Karl Adam Schwanbeck, 1872 machte ihn der Gouverneur zum Agenten für die Ute. Schwanbeck gewann ihr Vertrauen. Ouray und er wurden gute Freunde. Alle Stämme der Ute respektierten ihn.

Aber durch die korrupten Behörden von Colorado, die alles Land der Ute haben wollten, und durch den Agent Nathan Meeker kam es zum Aufstand. Meeker mischte sich in Stammesangelegenheiten ein und ließ sich im besten Weideland der Indianer nieder. Häuptling Colorow zwang ihn, mit dem Umackern des Weidelandes aufzuhören. Meeker holte Soldaten. Colorow erreichte, daß sich die Soldaten erst einmal zurück hielten. Als die Truppen dennoch vorrückten, legte Colorow einen Hinterhalt. Am 29. September 1879 wurden die Soldaten überfallen und niedergemacht. Meeker und die Angestellten der Agentur wurden getötet und ihre Frauen verschleppt.

Endlich war für die Behörden der Anlaß gefunden, die Indianer zu bekämfen und zu vertreiben.

Doch Schurz verhinderte eine blutige Niederschlagung des Aufstandes und sandte einen Mann zu den Ute, der ihr Vertrauen besaß.

General Adams (Schwanbeck) stattete Schurz mit Sondervollmachten aus und beauftragte ihn mit der Untersuchung der Ursachen des Aufstandes. Adams verhinderte eine Ausbreitung des Aufstandes und erwirkte die Freilassung der gefangenen Frauen. Adams brachte eine Ute-Delegation nach Washington, wo ein neuer Vertrag geschlossen wurde.

Doch Schurz mußte erkennen, daß ein friedliches Zusammenleben von Weißen und Indianern in Colorado unmöglich geworden war. Die Weißen würden jede neue Gelegenheit dazu nützen, die Indianer zu provozieren und zu vertreiben.

Schurz Ziel, die Ute am Leben der Vereinigten Staaten gleichberechtigt teilnehmen zu lassen, würde er in Colorado nicht erreichen können. Die Ute gaben ihr Land auf und zogen 1881 nach Utah.

 

Trotz der Anfeindungen aus der Öffentlichkeit und Politik, Verleumdung durch Presse und Literatur, Schurz war ein unermütlicher Kämpfer für Recht und Freiheit aller Amerikaner.

                                  >>Ubi libertas, ibi patria<<

                          (Wo die Freiheit ist, ist das Vaterland)

 

Durch eine falsche Entscheidung durch den Kongreß, wurde 1868 das Stammesgebiet der Ponca, den Dakota zugesprochen. Dadurch am es zu ständigen Überfällen der Sioux gegen die Poncas. Durch einen Kongreßbeschluß (März 1877) wurden die Ponca in die Quapaw-Reservation in Oklahoma geschafft. Der Oberhäuptling der Omaha, Joseph La Fleshe alias Eshtamaza (Eisenauge), begab sich zu den Ponca und bot ihnen seine Hilfe an. Die Ponca litten wie die Cheyenne schrecklich unter Hunger und Krankheiten. Erst im Herbst 1877 erfuhr Schurz von der Tragödie der Ponca. Sofort nahm er sich ihrer Sache an. Verlangte vom Kongreß Entschädigung und lies die Ponca sich in Oklahoma ein fruchtbares Gebiet aussuchen. An der Südgabelung des Arkansas ließen sie sich im Sommer 1878 nieder.

Im Winter 1878/79 kehrte Standing Bear, ein Häuptling der Ponca, mit 34 Männern, Frauen und Kindern in das 600 Meilen entfernte alte Stammesgebiet zurück. Bei der Ankunft in der Omaha-Reservation wurden sie eingesperrt. Dem Journalist Thomas H. Tibbles ist es zu verdanken, daß das Bezirksgericht von Nebraska die Indianer wieder frei lies. Schurz hätte eigentlich beim Bundesgericht Einspruch erheben müssen, da diese Entscheidung gegen die aktuelle Indianerpolitik der Regierung stand. Obwohl es von der Öffentlichkeit erwartet wurde, tat er dies nicht.

Tibbles, Standing Bear und seine Tochter Susette bereisten den Osten, hielten Vorträge und schrieben über das Leid der Indianer. Susette, die 1881 Tibbles heiratete, wurde als Bright Eyes bekannt.

 

Die angeheizte öffentliche Stimmung richtete sich wiedermal gegen Schurz, den man jetzt für die Deportation der Ponca verantwortlich machte. Erst eine von Präsident Hayes eingesetzte Untersuchungskommission berichtigten die gegen Schurz erhobenen Vorwürfe und beendete die Affaire.

 

Auf Betreiben von Schurz wurden die Ponca 1881 mit einer Summe von 165.000 Dollar entschädigt und 1889 erhielten sie neues Land für die ihnen weggenommenen Gebiete.

 

Schurz wollte die Indianer auf einen Weg bringen, der sie zu gleichberechtigten Amerikanern machen sollte.

Dazu wollte er die Indianer seßhaft machen und Ackerbau und Viehzucht lehren. Jede Familie sollte in den Besitz eines fruchtbaren Stück Landes kommen. Er wollte ihnen die Möglichkeit schaffen zu Bildung zu gelangen, damit sie mit der Zeit am sozialen und wirtschaftlichen Leben der Staaten teilhaben könnten. Als letztes Ziel sollten die Stämme fest und gleichberechtigt in das Gemeinwesen der USA eingefügt werden.

 

So zeigte sich Schurz sehr interessiert an der ersten Indianerschule in Hampton in Virginia. Das Experiment hatte Erfolg. Viele Indianerjungen wurden hier im Zimmermanns- und Druckerhandwerk, in Ackerbau und Viehzucht und in der Metallverarbeitung unterwiesen. Schurz erwarb auch die ehemaligen Kasernen in Carlisle in Pennsylvanien, um aus ihnen eine Schule für Indianer zu machen. Als »Carlisle Institute« wurde sie weit bekannt. Der erste Leiter war der Offizier Richard Pratt. Am 6. Oktober 1879 begann er den Unterricht an der Carlisle-Schule. Mehr als 5000 Indianer aus 70 Stämmen unterrichtete er in den folgenden Jahren. Auch wenn manche Entindianisierungsmethoden der Anstalt aus heutiger Sicht zu Recht fragwürdig waren, so entsprach es der nicht gerade "feinen" Pädagogik der Zeit.

Aber es war wenigstens ein Anfang, den Indianern zu helfen, anstatt sie auszurotten.

 

Auch die Indianerschule in Forest Grove, Oregon, war eine Gründung von Schurz. Er bestand auf Fairneß im Umgang mit den Ureinwohnern. Am 6. Dezember 1878 legte er einem Kongreßkomitee seinen Plan der Indianerpolitik dar, der bei den Weißen im Westen auf heftige Kritik stieß.

Nach Ansicht des Theologen James F. Clarke war Schurz: »Der beste Freund, den die Indianer je gehabt«.

Schurz' Pläne waren richtungsweisend. 1887 schützte das Dawes-Gesetz das Eigentum der Indianern, so daß sie nicht mehr durch unehrenhafte Verträge betrogen werden konnten. Sie sollten uneingeschränkte Besitzer ihres Landes sein.

 

Carl Schurz, der "Ein-Mann-Revolutionär", gab es nie auf für Recht und Freiheit aller Amerikaner zu kämpfen. Hochgeehrt und betrauert von der Alten und Neuen Welt, starb er am 14. Mai 1906 in New York.