Legenden/Erzählungen

"The Tricky One" (Trickster)

 

In den indianischen, traditionellen Erzählungen nehmen die vulgären, aber heiligen Trickster viele Formen an.

Unter den Crow-Stämmen z.B. der „Old-Man Coyote“, im Nordwesten der „Raven“.  Allgemein wird er als „The Tricky One“ bezeichnet. (Wakdjunkaga bei den Winnebago oder Nanabozho bei den Menomini). Trickster bringen abwechselnd Ärgernisse, Späße, Ekel, Witz, Gehässigkeit, Freude, Beleidigung und  Schadensfreude.  In vielen Erzählungen agiert er  bizzar und empörend mit seiner grundlegenden, instinktiven Energie und Schlauheit. Er gilt auch als Vater der indianischen Völker und als potenter Führer der geistigen Kräfte in Form von heiligen Träumen. Krieger die sich als „Trickster“ sahen, verwirrten ihre Mitmenschen, in dem sie vieles verkehrt/falsch machten. Sie zogen sich wie Frauen an, liefen rückwärts, setzten sich verkehrt aufs Pferd, schossen nicht den Pfeil mit dem Bogen, sondern den Bogen mit dem Pfeil usw.. Die „Trickster“ besitzen aber auch eine kreative Kraft mit der sie die Welt verändern und beeinflussen können.

 

Coyote ist sowohl ein Schöpfer von Ordnung aus dem Chaos als auch ein Zerstörer der Ordnung. Seine kreative und spirituelle Energie ist widersprüchlich und mehrdeutig. Der „Trickster“ ist Schöpfer und Hanswurst in den Legenden und Erzählungen.

 

Was er auch  immer sein mag, ein „Trickster“ ist ein Überlebenskünstler, der seinen Verstand und Instinkt nutzt, um seine Welt dem Wandel der Zeit anzupassen. Diese "Coyote Power" erscheint in vielerlei Gestalt und kann sich in jedem Lebewesen verstecken.

Naapi, Napi, Napiw wird auch als "Old Man" bezeichnet. Napi ist ein Held aus der mythologie der Blackfoot. Er ist ein Betüger, ein "Trickster", ein Unruhestifter, ein Veränderer und manchmal dumm, aber er gilt auch als Gestalter der Welt in der die Blackfeet leben. Er wird dabei von seiner Frau "Old Lady" (Kipitaakii) unterstützt.

 

Eine Mahlzeit für Nata´Yowa (Blackfoot)

 

An einem rauhem, kaltem Herbsttag spazierte der alte Napi ziellos umher und kam so zufällig zu den Überresten eines Lagers. Um die erloschene, aber immer noch aus warmer Asche und heißer Glut bestehenden Feuerstelle, tummelte sich eine Bande von Erdhörnchen.

Ein Erdhörnchen legte sich in die Mitte der Feuerstelle und die Anderen bedeckten ihn vorsichtig mit der noch warmen Asche. War das Erdhörnchen genug aufgewärmt, quitschte es laut und es machte Platz für das Nächste.

Napi beobachtete dieses lustige Treiben der Erdhörnchen eine Weile und dabei kam ihm eine Idee. Er setzte sich auf den kalten Boden und begann laut zu weinen. Die Erdhörnchen sprangen neugierig heran, um zu sehen, was da los war. "Oh!", jammerte Napi, "ihr habt so viel Spaß miteinander und euch ist es immer schön warm. - Mir ist so kalt und es gibt Niemanden der mit mir spielt. Ich wünschte ich könnte bei euch mitspielen!"

Die Erdhörnchen sprachen zu Napi: "Alter Mann! Es ist nicht schwer unser Spiel zu spielen."

So luden die freundliche Erdhörnchen Napi dazu ein, bei ihnen mitzuspielen.

"Ich werde mich zuerst in die Asche legen," forderte Napi, "denn ich bin viel größer als ihr. - Danach decke ich euch alle auf einmal zu und so werden wir es alle gemeinsam warm haben."

Die Erdhörnchen ließen Napi sich zuerst in die Feuerastelle legen und bedecken ihn flink, aber vorsichtig mit der warmen Asche. Doch schon nach einer kurzer Zeit, wollte Napi wieder herausgelassen werden; "Es sei ihm warm genug."

Dann kammen die Erdhörnchen an die Reihe. Sie legten sich alle ordentlich nebeneinander und warteten darauf von Napi mit der angenehm, warmen Asche bedeckt zu werden. Doch Napi packte die kleinen Tiere stattdessen hastig in heiße Glut. Die armen Erdhörnchen quitschten und kreischten, aber der gottlose Napi häufte weiter glühende Holzglut auf die Tiere, bis sie alle gebraten waren.

"Das wird ein sehr gutes Essen!", dachte sich Napi. Und um das heiße Essen aus der Glut holen zu können, machte sich Napi auf von einem entfernten Weidenbusch, sich einige Ruten zu schneiden. Aber während sich Napi beim Weidenbusch zu schaffen machte, kam der Luchs Nata´Ýowa zum Lager.

Nata´Yowa hatte die gebratenen Erdhörnchen schon von weitem gewittert und er war sehr hungrig. Er verlor keine Zeit. Scharrte die Erdhörnchen aus der Glut und fraß jedes von ihnen auf.

Als Napi zurückkehrte, da lag neben der Feuerstelle nur noch ein armseliger Haufen von Erdhörnchenschwänzen. Napi tanzte vor Wut! Als er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, machte er sich daran den Täter zu verfolgen. Nata´Yowa hinterließ eine deutliche Spur. Er war zu vollgefressen. Der Spur folgend kam Napi zu einem großen Felsen, wo sich der müde Luchs im Schatten schlafen legte.

Leise schlich sich Napi an den Luchs heran, packte Nata´Yowa im Genick und begann

seine Nase gegen den Felsen zu hämmern, solange bis von der Nase nur noch ein kurzer Rest übrig blieb. Verschwitzt rieb sich Napi sein Gesicht mit Gras trocken. Die langen Grashalme steckte er in Nata´Yowas Gesicht, dort verwandelten sie sich in Barthaare. Er machte zwei Büschel aus den Halmen und pflanzte dem Luchs noch je ein Büschel auf seine Ohren.

Dann wollte Napi, Nata´Yowa an seinem Schwanz packen, doch der brach zu einem Stummel ab. Darauhin schnappte er sich die Hinterbeine und wirbelte den Luchs so schnell er konnte über seinem Kopf. Die Hinterbeine des Luchses wurden dabei immer länger und länger. Endlich schleuderte Napi den jammernden Luchs soweit weg, wie er nur konnte und schrie ihm hinterher: "Dies geschied dir recht! Dies ist die Strafe dafür, dass du mein Essen gestohlen hast!"

 

Seitdem hat der Luchs eine kurze Stupsnase, einen kurzen Stummelschwanz, Schnurrhaare, Haarpinsel an seinen kleinen Ohren und lange Hinterbeine.

 

Coyote und das Monster

 

Vor langer, langer Zeit, als die Menschen noch nicht die Erde bewohnten. Lebte ein gefräßiges Monster auf dem Land. Es wanderte umher und verschlang alle Tiere – bis auf Coyote. Coyote war sehr wütend, dass all seine Freunde von dem Monster verschlungen wurden. Da kletterte er auf den höchsten Berg des Landes. Befestigte ein starkes Seil an einen Felsen, band das andere Ende um seinen Bauch und ließ sich vom Felsen fallen. Es dauerte nicht lange, bis das  Monster, Coyote am Seil baumelnd, unterhalb der Bergspitze entdeckte. Hastig jagte es hinauf zu Coyote, um ihn, wie all die Anderen zu fressen.  Doch Coyote neckte das Monster: „Es soll doch ruhig kommen und versuchen ihn zu fressen“. Wild vor Gier saugte das Monster tief Luft in sich, in der Hoffnung, Coyote mit seinem kraftvollen Atem zu sich heranzuziehen, aber die Seile waren zu stark. Coyote verhöhnte es weiter, was das Monster noch wilder machte. Ungestüm versuchte es mit vielen anderen Möglichkeiten Coyote von seinem Seil zu bekommen, aber alles nützte nichts. Coyote schwang lachend an seinem sicheren Platz hin und her.
         Nach all den erfolglosen Versuchen begriff das Monster, dass Coyote schlau und klug war und es ersann einen neuen, hinterlistigen Plan. Es bot Coyote seine Freundschaft an. Er werde jetzt gehen und er solle ihn doch in einmal in seiner Heimat besuchen kommen und wenn er möchte könne er dann auch bei ihm bleiben. Coyote dachte kurz nach und stimmte zu. "Doch vorher," verlangte Coyote, "möchte ich in deinen Magen schauen um meine Freunde ein letztes Mal zu sehen." Zustimmend und innerlich grinsend nickte das Monster. Coyote befreite sich von seinem Seil. Sprang mit einem Satz vor das ruhig wartende Monster. Doch anstatt durch das riesige Maul in den Magen des Monsters zu schauen, riss Coyote dem Monster das Herz heraus, setzte sein Inneres in Brand und befreite all seine Tierfreunde.
        Coyote schleuderte die Körpereile des Monster in alle vier Richtungen. Dort, wo ein Stück landete, entstand ein neuer Indianerstamm und an der Stelle, wo das Monster gelegen hatte, nahm Coyote das Monsterblut und erschuf daraus die Nez Perce, die dadurch besser und stärker wurden als alle anderen. 

 

 

 

Wie der Regenbogen entstand

Ojibwe Nation

 

Eines Tages, als die Erde noch neu war, sah Nanabozho aus dem Fenster seiner Hütte.

Er betrachtete all die vielen Blumen auf einer kleinen Wiese vor einem breiten Wasserfall.

"Wie langweilig!", dachte er, denn alle hatten die selbe weiße Farbe. So beschloss er dies zu ändern. Er sammelte alle Farben die er kannte, nahm einen Pinsel und ging zu der Wiese.

Nanabozho setzte sich ins hohe Gras und stellte seine Töpfe mit roter, orangener, gelber, grüner, blauer und violetter Farbe neben sich. Dann begann er, die Blumen mit den verschiedenen Farben zu bemalen. Er bemalte die Veilchen in dunkelblau und die Tigerlilien orange mit braunen Punkten. Er machte die Rosen rot, rosa und lila, die Stiefmütterchen in jeder Farbe und Kombination, die er sich ausdenken konnte. Jede einzelne Narzisse erstrahlte jetzt in einem leuchtendem Gelb.

Nanabozho summte fröhlich vor sich hin, während er seiner Tätigkeit nach ging.

Über seinem Kopf spielten zwei kleine Drosseln miteinander. Zappity-Zing riefen sie, als sie bei dem stahlenden Sonnenschein von Bruder Sonne über die Wiese hinundher jagten.

Gelegentlich warfen die Vögel zarte Schatten auf Nanabozhos Augen. Nanabozho blickte dann auf, um die kleinen Vögel an dem endlosen Himmel tanzen zu sehen. Dann ging er wieder an seine Arbeit. Bemalte das Zentrum der tausenden, weißen Gänseblümchen gelb.

Übermütig beschlossen die beiden Vögel, unter den Blumen hindurch zu tauchen und dicht über das Gras zu gleiten.

Die erste Drossel stürzte sich steil nach unten, segelte elegant über dem Boden auf Nanabozho zu, stieg erst kurz vor ihm wider hoch. Dabei taucht der rechte Flügel in Nanabozhos Farbtopf mit roter Farbe.

Die zweite Drossel stürtzte sich danach zur Wiese hinunter, diesmal streifte der linke Flügel den Topf mit der orangenen Farbe.

Nanabozho beschimpfte die frechen Vögel. Aber die Vögel dachten nicht daran mit ihrem Spiel aufzuhören und flatterten immer und immer wieder um Nanabozho herum, dort wo er im Gras saß und die Blumen bemalte. Bald leuchteten die Füße und die Federn der Drosseln in all den Farben aus Nanabozhos Farbtöpfen. Verärgert sprang Nanabozho auf und wedelte wild mit seinen Armen, um die Vögel zu verscheuchen.

Widerwillig flogen die Drosseln von Nanabozho und seinen Farbtöpfen davon, um ein neues Spiel zu suchen. Sie begannen sich wieder gegeseitig zu jagen. Dabei segelten sie hin und her über den tosenden Wasserfall. Mit einem zippity-zip, flog der Erste durch die feuchtneblige Gischt und hinterließ, als er wieder aufstieg, einen roten Streifen. Zappity-zing, die zweite Drossel jagte durch den Nebel und hinterlies eine orange gefärbte Ader. Die Vögel wandten sich in die andere Richtung und fügten so Gelb, Blau, Violett und all die anderen Farben hinzu. Je öfter sie durch die Gischt jagten, umso insensiver wurden die Farben und als Bruder Sonne auf den Wasserfall leuchtete, funkelten und strahlten die Farben durch den Nebel der Gischt.

Voller Freude sah Nanabozho, wie all die Farben auf sein Wiese herabregneten. Ein herrlicher Bogen von rot, orange, gelb, grün, blau, und violett schimmerte am Himmel über dem Wasserfall.

Nanabozho lächelte und freute sich über die kleinen Drosseln und sagte zu ihnen: "Ihr habt einen Regenbogen gemacht"

Nanabozho war so zufrieden, das er den Regenbogen für immer über dem Wasserfall scheinen ließ.

Von diesem Tag an bis Heute, immer wenn Bruder Sonne sein Licht auf Regen oder Nebel scheinen läßt, ist die Reflexion des mächtigen Regenbogens über dem Wasserfall bei Nanabozhos Haus zu sehen. 

Trad. Hasen-Geschichte

 

An einem kühlen Herbsttag, ging ein kleiner Hase spazieren.

Als er zu einer Weide kam, fing er an um sie herum zu tanzen.

Wind kam auf und er begann vor Kälte zu zittern.

"Oh, es ist wirklich kalt!"

So tanzte er schneller und immer schneller um die Weide. Nach einer Weile blickte er zum Himmel und sagte zu sich: "Ich denke, es wird bald Schnee geben."

Tatsächlich, schon begannen es vom Himmel weiße Flocken zu schneien.

So tanzte er noch schneller um die Weide und stampfte den Schnee nach unten. Doch nach und nach wurde er müde. Er legte sich auf einen Weidenast und schlief ein.

Er schlief so lange, dass der Schnee geschmolzen und um ihn herum alles grün geworden war.

Er saß in der Weide und hatte Angst vom Bum zu springen. Doch er war sehr hungerig. Er schloß seine Augen und lies sich vom Baum fallen. Doch sein Schwanz verfing sich, und auf dem Boden schoben sich seine Vorderbeine in seinen Körper und an einem spitzen Stein schnitt er sich die Oberlippe ein.

Deshalb hat jedes Kaninchen eine gespaltene Oberlippe, kurze Vorderbeine und ein Stummelschwänzchen.

Alle indianischen Kinder wissen, warum die Weide Weidenkätzchen hat, weil in einer Weide, das Kaninchen seinen Schwanz verlor.